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Gericht:Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz 2. Senat
Entscheidungsdatum:21.08.2017
Aktenzeichen:2 B 11290/17
ECLI:ECLI:DE:OVGRLP:2017:0821.2B11290.17.00
Dokumenttyp:Beschluss
Quelle:juris Logo
Normen:§ 9 BeamtStG, Art 33 Abs 2 GG, Art 19 Verf RP, § 123 Abs 1 S 1 VwGO, § 146 Abs 4 S 6 VwGO ... mehr

Maßgeblicher Zeitraum für eine dienstliche Beurteilung; Erfolg im vorläufigen Stellenbesetzungsverfahren in Abhängigkeit von den Rügen im  Auswahlverfahren

Leitsatz

1. Da dienstliche Beurteilungen ein möglichst vollständiges Bild der im Verlauf der dienstlichen Laufbahn eines Beamten gezeigten Leistungsentwicklung darstellen sollen, muss der Beurteilungszeitraum regelmäßig die Zeit zwischen zwei Beurteilungen abdecken (Bestätigung der bisherigen Rechtsprechung).(Rn.10)

2. Zu den Voraussetzungen, unter denen Rügen des in einem beamtenrechtlichen Auswahlverfahren unterlegenen Beamten gegen das Ergebnis seiner aktuellen dienstlichen Beurteilung zum Erfolg eines von ihm betriebenen verwaltungsgerichtlichen Eilverfahrens führen.(Rn.26)

Verfahrensgang ausblendenVerfahrensgang

vorgehend VG Koblenz, 3. Juli 2017, Az: 5 L 480/17.KO, Beschluss

Diese Entscheidung zitiert ausblendenDiese Entscheidung zitiert


Tenor

Die Beschwerde des Antragstellers gegen den Beschluss des Verwaltungsgerichts Koblenz vom 3. Juli 2017 wird zurückgewiesen.

Der Antragsteller hat die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu tragen mit Ausnahme der außergerichtlichen Kosten der Beigeladenen, die diese Kosten selbst trägt.

Der Wert des Streitgegenstandes wird für das Beschwerdeverfahren auf 29.543,52 Euro festgesetzt.

Gründe

A.

1

Der Antragsteller ist Justizamtsrat (Besoldungsgruppe A 12 Landesbesoldungsordnung – LBesO –) und im Amtsgericht Montabaur im Bereich der Rechtspflege eingesetzt. Er bewarb sich zusammen mit 12 anderen Rechtspflegerinnen und Rechtspflegern dieses Statusamtes auf die im Justizblatt Nr. 3 vom 24. Februar 2017 zum Beförderungstermin am 18. Mai 2017 für den Bezirk des Oberlandesgerichts und der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz im Bereich der Rechtspflege ausgeschriebene Beförderungsstelle nach Besoldungsgruppe A 13 LBesO (Justizrechtsrat/-rätin).

2

Die zu diesem Termin zur Verfügung stehenden Beförderungsstellen im Bereich der Rechtspflege vergab der Antragsgegner im gemeinsam geführten Personalbereich des Oberlandesgerichts Koblenz und der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz ausweislich des Besetzungsvermerks vom 3. April 2017 allein nach den Gesamtbewertungen der über die Bewerber erstellten Regelbeurteilungen. Diese Beurteilungen wurden sämtlich zum Stichtag 1. Juli 2016 und erstmals auf der Grundlage der zu diesem Zeitpunkt für die Beamten in der Justiz und im Justizvollzug in Kraft gesetzten neuen Beurteilungsrichtlinien des Ministeriums der Justiz gefertigt.

3

Der Antragsteller, dem in seiner zu diesem Stichtag erstellten dienstlichen Beurteilung die abschließende Bewertung „A12.8“ („Der Beurteilte entspricht den Anforderungen stets voll und ganz und erbringt stets anforderungsgerechte Leistungen“) erhalten hatte, wurde nicht ausgewählt, weil die Beigeladene die bessere Gesamtnote „A12.11“ („Die Beurteilte übertrifft die Anforderungen und zeichnet sich immer wieder durch besondere Leistungen aus“) zuerkannt worden war. Nachdem ihm die Nichtberücksichtigung bei der Vergabe der Beförderungsstellen mitgeteilt worden war, stellte er einen Antrag auf Gewährung vorläufigen Rechtsschutzes. Das Verwaltungsgericht lehnte diesen Antrag ab. Hiergegen richtet sich seine Beschwerde, zu deren Begründung er einen Teil seines erstinstanzlichen Vortrags ergänzt und vertieft.

B.

4

Die zulässige Beschwerde hat in der Sache keinen Erfolg.

5

I. Das Verwaltungsgericht hat den Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung, mit dem der Antragsteller seinen Anspruch auf ermessens- und beurteilungsfehlerfreie Entscheidung über seine Bewerbung auf eine der ausgeschriebenen Stellen nach Besoldungsgruppe A 13 Landesbesoldungsordnung – LBesO – (Justizrechtsrat/-rätin) zu sichern sucht, zu Recht abgelehnt. Denn der Antragsteller hat keinen Anordnungsanspruch glaubhaft gemacht (§ 123 Abs. 1 Satz 1, Abs. 3 Verwaltungsgerichtsordnung – VwGO – i.V.m. §§ 936, 920 Abs. 2 Zivilprozessordnung). Die von ihm gegen dieses vorinstanzliche Ergebnis dargelegten Gründe, auf die sich die Prüfung seiner Beschwerde gemäß § 146 Abs. 4 Satz 6 VwGO zu beschränken hat, rechtfertigen keine Abänderung des angefochtenen Beschlusses.

6

Die getroffene Auswahlentscheidung zu Gunsten der Beigeladenen leidet an keinem Verfahrensfehler und hält auch inhaltlich der verwaltungsgerichtlichen Rechtmäßigkeitskontrolle stand. Der Antragsgegner hat bei seiner Entscheidung über die Vergabe der in Rede stehenden Beförderungsstelle den in Art. 33 Abs. 2 Grundgesetz – GG –, Art. 19 Verfassung für Rheinland-Pfalz – LV – und § 9 Beamtenstatusgesetz – BeamtStG – niedergelegten Leistungsgrundsatz nicht zu Lasten des Antragstellers verletzt. Dies hat bereits das Verwaltungsgericht zutreffend dargelegt. Auf die Gründe des angefochtenen Beschlusses, denen sich der Senat inhaltlich anschließt, wird deshalb gemäß § 122 Abs. 2 Satz 3 VwGO verwiesen. Im Hinblick auf das Beschwerdevorbringen ist von daher lediglich ergänzend auszuführen:

7

Nach Art. 33 Abs. 2 GG, Art. 19 LV und § 9 BeamtStG haben Bewerber um eine Beförderungsstelle einen Anspruch darauf, dass der Dienstherr über ihre Bewerbung ermessens- und beurteilungsfehlerfrei allein nach Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung entscheidet (sog. Bewerbungsverfahrensanspruch, vgl. BVerfG, Beschluss vom 26. November 2010 – 2 BvR 2435/10 –, NVwZ 2011, 746; BVerwG, Urteil vom 22. November 2012 – 2 VR 5.12 –, BVerwGE 145, 102 [116]; OVG RP, Beschluss vom 29. August 2016 – 2 B 10648/16.OVG –, ZBR 2017, 209). Über diese Auswahlkriterien verlässlich Auskunft zu geben, ist nach ständiger verfassungs- und verwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung die Aufgabe von dienstlichen Beurteilungen, denen deshalb bei einer Auswahlentscheidung regelmäßig vorrangige Bedeutung zukommt. Maßgebend ist in erster Linie das abschließende Gesamturteil, das durch eine Würdigung, Gewichtung und Abwägung der einzelnen leistungsbezogenen Gesichtspunkte zu bilden ist (vgl. BVerfG, Kammerbeschluss vom 4. Oktober 2012 – 2 BvR 1120/12 –, NVwZ 2013, 573; BVerwG, Beschluss vom 25. Oktober 2011 – 2 VR 4.11 –, NVwZ-RR 2012, 241; OVG RP, Beschlüsse vom 14. Oktober 2014 – 2 B 10611/14.OVG –, NVwZ-RR 2015, 141 und vom 13. August 2015 – 2 B 10664/15.OVG –, AS 44, 30 [32]).

8

Diesen Anforderungen ist der Antragsgegner bei der hier im Streit stehenden Beförderungsentscheidung gerecht geworden. Denn er hat die Auswahl unter den Bewerbern ausschließlich nach den Ergebnissen der über diese Beamten erstellten dienstlichen Beurteilungen vorgenommen. Danach ist der Beigeladenen wegen ihres mit der Bewertung „A12.11“ und damit um zwei Punkte besseren Ergebnisses der Gesamtbeurteilung zu Recht der Vorzug gegenüber dem Antragsteller gegeben worden, dessen Gesamtbeurteilung von seinem Beurteiler lediglich mit der Note „A12.8“ festgelegt worden ist.

9

Die ausschließlich auf der Grundlage dieser Regelbeurteilungen erfolgte Auswahlentscheidung steht mit der verfassungs- und verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung in Einklang. Dies gilt sowohl in Bezug auf die vom Antragsteller mit seiner Beschwerde in erster Linie gerügte Unterschiedlichkeit der Beurteilungszeiträume (1.) als auch hinsichtlich des von ihm „äußerst vorsorglich“ in Zweifel gezogenen Ergebnisses seiner eigenen dienstlichen Beurteilung (2.). Weitere Rügen hat er in der Beschwerdeinstanz nicht erhoben, so dass es bei der Entscheidung der ersten Instanz zu verbleiben hat. Insbesondere verbietet sich eine von Amts wegen gemäß §§ 125, 86 VwGO erfolgende Überprüfung der Beurteilung der Beigeladenen (3.).

10

1. Entgegen der Auffassung des Antragstellers sind die der Beförderungsentscheidung zugrunde liegenden dienstlichen Beurteilungen des Antragstellers und der Beigeladenen nicht schon deshalb untaugliche Auswahlinstrumente, weil sie unterschiedlich lange Beurteilungszeiträume aufweisen. Der Senat hält vielmehr an seiner in ständiger Rechtsprechung vertretenen Rechtsauffassung (vgl. OVG RP, Urteil vom 24. Juni 1994 – 2 A 12606/93.OVG –; Beschluss vom 26. Juni 2012 – 2 B 10469/12.OVG –, ZBR 2013, 95), die mit derjenigen des für das Bundes- und Richterrecht zuständigen 10. Senat des Gerichts übereinstimmt (Urteile vom 3. November 1995 – 10 A 11040/95.OVG –, veröffentlicht in ESOVGRP; vom 28. Juni 1996 – 10 A 13209/95.OVG –, AS 26, 210 [211]; und vom 15. Februar 2002 – 10 A 11751/01.OVG –, IÖD 2002, 134), fest. Danach sollen dienstliche Beurteilungen nicht nur den jeweils aktuellen Leistungsstand eines Beamten oder Richters darstellen, sondern im Verein mit älteren Beurteilungen ein möglichst vollständiges Bild der im Verlauf seiner dienstlichen Laufbahn gezeigten Leistungsentwicklung darstellen. Um dieses Postulat zu gewährleisten, muss der Beurteilungszeitraum regelmäßig die Zeit zwischen zwei Beurteilungen abdecken. Eine Lücke in der Abfolge dienstlicher Beurteilungen ist deshalb von besonderen Ausnahmefällen abgesehen (vgl. zu einer solchen Fallkonstellation: OVG RP, Urteil vom 28. Juni 1996, a.a.O.) zu vermeiden (a). Darüber hinaus liegt in dem hier zur Entscheidung stehenden Beförderungstermin wegen der erstmaligen Anwendung von neuen Beurteilungsrichtlinien eine besondere Situation vor, die eine unterschiedliche Länge der Beurteilungszeiträume der Bewerber rechtfertigt (b).

11

a) Die Gebot der Anknüpfung von Beurteilungszeiträumen an den jeweils vorangegangen Zeitraum entspricht auch der in der Rechtsprechung im Übrigen und in der Literatur ganz überwiegend vorherrschenden Auffassung (vgl. BVerwG, Urteile vom 26. August 1993 – 2 C 37.91 –, Buchholz 232.1 § 40 BLV Nr. 15; vom 3. Juli 2001 – 1 WB 23.01 –, Buchholz 236.11 § 1a SLV Nr. 17; und vom 18. Juli 2001 – 2 C 4.00 –, Buchholz 232.1 § 40 BLV Nr. 22; OVG Nds., Urteil vom 28. November 2000 – 2 C 3264/00 –, RiA 2001, 94; OVG NRW, Urteil vom 15. Mai 1995 – 1 A 2881/91 –, IÖD 1995, 268; Bodanowitz, in: Schnellenbach/Bodanowitz, Die dienstliche Beurteilung der Beamten und der Richter, Loseblattkomm., 3. Aufl. Stand März 2017, Rn. 352).

12

Das Gebot der Vermeidung von erheblichen Lücken zwischen einzelnen Beurteilungszeiträumen findet seine Rechtfertigung nicht zuletzt vor dem Hintergrund der ständigen höchstrichterlichen Rechtsprechung, nach der in beamtenrechtlichen Auswahlverfahren bei im Wesentlichen gleich beurteilten Bewerbern als Erkenntnismittel für einen Leistungs- und Eignungsvergleich noch vor sog. Hilfskriterien auch die Ergebnisse älterer dienstlicher Beurteilungen heranzuziehen sind (vgl. BVerwG, Urteil vom 19. Dezember 2002 – 2 C 31.01 –, Buchholz 237.9 § 20 SaarLBG Nr. 1 und juris, seither stRspr). Auch deshalb muss, soweit in Beurteilungsrichtlinien zulässigerweise nichts Abweichendes bestimmt wird, der Zeitraum einer aktuellen dienstlichen Beurteilung grundsätzlich an den jeweils vorhergehenden Beurteilungszeitraum lückenlos anschließen. Nur so ist gewährleistet, dass etwaige Leistungsschwankungen des Beamten oder Richters während seines dienstlichen Werdeganges in positiver wie negativer Hinsicht erfasst werden können und dementsprechend ein aussagekräftiges Bild über seine Leistungsentwicklung abgegeben werden kann.

13

Aus diesem Postulat, das soweit bekannt von den meisten im öffentlichen Dienst angewendeten Beurteilungssystemen beachtet wird, folgt zwangsläufig, dass sich bei einer Bewerberkonkurrenz, in der beispielsweise dienstjüngere mit dienstälteren Beamten konkurrieren, eine Einheitlichkeit der Beurteilungszeiträume faktisch nicht gewährleisten lässt. Dieses Problem lässt sich auch nicht lösen, indem in derartigen Fällen bei allen Bewerbern so viele ältere dienstliche Beurteilungen herangezogen werden, bis bei jedem Bewerber der in der konkreten Konkurrenzsituation vorliegende längste Beurteilungszeitraum eines der Bewerber erreicht worden ist. Ein derartige Vorgabe würde nämlich spätestens dann zu einer faktischen Unmöglichkeit der Durchführung des Auswahlverfahrens führen, wenn Beurteilungen dienstjüngerer Bewerber diesen Zeitraum schon deshalb nicht darstellen können, weil diese erst zu einem späteren Zeitpunkt das im Bewerbervergleich maßgebliche Statusamt erreicht haben oder überhaupt erst später eingestellt worden sind.

14

Eine solcherart faktische Unmöglichkeit der Heranziehung gleicher Beurteilungszeiträume bei allen Bewerbern betrifft in besonderem Maße das erste Beförderungsamt in einer Laufbahn. Gerade hier sind Konkurrenzen zwischen dienst- und lebensjüngeren Bewerbern mit dienst- und lebensälteren Beamten, die sich etwa seit mehreren Jahren nicht mehr um eine Beförderungsstelle beworben und deshalb seit dieser Zeit auch keine dienstliche Beurteilung erhalten haben, nicht selten. Bewirbt sich ein solcher Beamter erstmals gegen Ende seiner dienstlichen Laufbahn um ein höher bewertetes Amt, so müssten bei allen anderen Bewerbern ergänzend deren ältere Beurteilungen mit herangezogen werden, um einen einheitlichen Vergleichszeitraum zu erhalten. Bei erheblich dienst- und lebensjüngeren Bewerbern wird dies aber vielfach schon deshalb nicht möglich sein, weil diese zu Beginn des jeweils am längsten zurückliegenden Beurteilungszeitraumes gegebenenfalls noch gar nicht ernannt waren. Bei einer solchen Bewerberkonkurrenz lässt sich eine zeitlich exakte Anpassung der Beurteilungszeiträume faktisch nicht gewährleisten. Im Ergebnis wären dann dienst- und lebensjüngere Bewerber aus dem Vergabeverfahren auszuscheiden. Dass eine solche Rechtsfolge schlechterdings untragbar wäre, liegt auf der Hand und bedarf deshalb auch keiner weiteren Erläuterung.

15

Gleiches gilt für den Fall der Bewerbung von zuvor beurlaubten oder, beispielsweise für Tätigkeiten im Personalrat, freigestellten Beamten. Auch in diesen Fällen lässt sich die Unterschiedlichkeit von (längeren oder kürzeren) Beurteilungszeiträumen schlechterdings nicht vermeiden.

16

Um die faktische Unterschiedlichkeit der Beurteilungszeiträume zu beseitigen geht es auch nicht an, die Beurteilung des Bewerbers mit dem längsten Zeitraum künstlich zu verkürzen, um einen einheitlichen Bewertungszeitraum zu erhalten. Abgesehen davon, dass sich damit die Frage von auseinanderfallenden Ausfertigungsdaten bzw. Beurteilungsstichtagen nicht beantworten lässt, würde dies gleichfalls zu nicht mehr handhabbaren Schwierigkeiten in der praktischen Umsetzung führen. Die Beurteiler müsste dann nämlich eine Art „Teilbeurteilung“ erstellen, bei der sich der Bewertungszeitraum willkürlich (weil von der Dauer der jeweils kürzesten Beurteilung eines Mitbewerbers abhängend) zu verkürzen wäre. Hierbei könnte ein dann schlechter bewerteter Bewerber mit Erfolg geltend machen, in seinem Fall seien die im früheren Teil seines Beurteilungsteilzeitraums gezeigten Leistungen zu Unrecht unberücksichtigt geblieben. Auch deshalb musste der Antragsgegner die über den Antragsteller gefertigte dienstliche Beurteilung in ihrem vollständigen zeitlichen Umfang und dem dabei insgesamt erzielten Ergebnis der Auswahlentscheidung zugrunde legen.

17

Zu Unrecht beruft sich der Antragsteller für seine Rechtsauffassung auf die Senatsentscheidung zum Beurteilungs- und Beförderungssystem im Personalbereich der Polizei des Antragsgegners (Beschluss vom 28. November 2013 – 2 A 10804/13.OVG –, DÖD 2014, 95). In dieser wird im Gegenteil ausgeführt, dass vom – ansonsten zu beachtenden – Gebot der Lückenlosigkeit dienstlicher Beurteilungen grundsätzlich nur dann abgewichen werden darf, wenn nach den maßgeblichen Verwaltungsvorschriften dienstliche Beurteilungen unter Verzicht auf Regelbeurteilungen bei allen Bewerbern nur anlassbezogen erstellt und dabei vom Richtliniengeber für die jeweiligen Beförderungsanlässe einheitliche Beurteilungszeiträume und -stichtage festgelegt werden. Ein solches Beurteilungs- und Beförderungssystem wird jedoch bei den Beamten im Personalbereich des Ministeriums der Justiz nicht angewandt. In diesem Bereich erfolgt die Vergabe der Beförderungsstellen im Wege der sogenannten Topfwirtschaft ausschließlich auf der Grundlage von Regelbeurteilungen (vgl. Nr. 1 der Verwaltungsvorschrift „Dienstliche Beurteilung der Beamtinnen und Beamten in der Justiz und im Justizvollzug“ des Ministeriums der Justiz vom 20. Juni 2016, Justizblatt 2016, S. 71; im Folgenden: BeurteilungsVV).

18

Soweit der Antragsteller zum Beleg für die Richtigkeit seiner Rechtsauffassung auf Entscheidungen des Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalen (Urteil vom 16. Mai 2012 – 1 A 499/09 –, juris) sowie des Thüringischen Oberverwaltungsgerichts (Beschluss vom 15. April 2014 – 2 EO 641/12 –, juris) verweist, gilt nichts anderes. Diesen liegen zum einen anders gelagerte Sachverhalte und zum anderen nicht vergleichbare Beurteilungssysteme zugrunde.

19

So betrifft die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalen vom 16. Mai 2012 kein beamtenrechtliches Konkurrentenstreitverfahren, sondern die Klage eines Richters gegen eine dienstliche Anlassbeurteilung. In der zitierten Berufungsentscheidung wird lediglich als obiter dictum angedeutet, dass die Anknüpfung einer dienstlichen Beurteilung an den vorangegangenen Beurteilungszeitraum – wie es in dem Urteil heißt – „an Grenzen stoßen“ könne, wenn im Ergebnis hierdurch ein zu langer, etwa mehrere periodische (Regel-)Beurteilungszeiträume überschreitender Zeitraum entstünde, der bei grundsätzlich gebotener vollständiger Ausschöpfung der Erkenntnismittel nicht mehr praktikabel handhabbar wäre und ggf. auch eine jedenfalls in einem Mindestmaß noch erforderliche Aktualität nicht mehr vollständig gewährleisten könnte (Urteil vom 16. Mai 2012, a.a.O., Rn. 54). Im Folgenden hat das Gericht dann aber – ohne weitere Bedenken in dieser Hinsicht aufzuzeigen – die dienstliche Beurteilung des dortigen Klägers vollständig, insbesondere auch im Hinblick auf den dortigen Beginn des Beurteilungszeitraums, einer inhaltlichen Kontrolle unterzogen. Einen allgemeinen Rechtsgrundsatz, wonach dienstliche Beurteilungen zur Vermeidung einer Beurteilungslücke keinesfalls einen längeren Beurteilungszeitraum umfassen dürften, stellt diese Entscheidung daher nicht auf.

20

Soweit vom Thüringischen Oberverwaltungsgericht im Beschluss vom 15. April 2014 das Postulat von stets einheitlichen Beurteilungszeiträumen der in Beförderungskonkurrenzen verwendeten dienstlichen Beurteilungen erhoben wird, liegt dem das mit dem vorliegenden Sachverhalt nicht vergleichbare Beurteilungssystem im Personalbereich der thüringischen Justiz zugrunde, in dem „aufgrund der richterrechtlichen Besonderheiten“ Beurteilungen immer nur nach Ablauf von zwei, sieben und zwölf Jahren nach der Lebenszeiternennung erfolgen (ThürOVG, Beschluss vom 15. April 2014, a.a.O. Rn 27).

21

b) Darüber hinaus besteht im Personalbereich des Ministeriums der Justiz im Beförderungstermin zum 18. Mai 2017 eine weitere Besonderheit, die unabhängig vom vorstehend Dargelegten die vorübergehende Uneinheitlichkeit der Beurteilungszeiträume rechtfertigt.

22

Bis zum 30. Juni 2016 wurden Beförderungen der Beamten im Personalbereich des Ministeriums der Justiz auf der Grundlage eines „gemischten“ Beurteilungssystems vorgenommen. In diesem wurden höherwertigere Funktionen sowie Beförderungsstellen zwar grundsätzlich auch auf der Grundlage von Regelbeurteilungen vergeben. Unabhängig hiervon wurden allerdings auch Anlassbeurteilungen erstellt. Dies wurde insbesondere immer dann erforderlich, wenn die letzte dienstliche Beurteilung des Bewerbers älter als zwei Jahre war (vgl. Nr. 1 Satz 1 sowie Nr. 2.1.1 Buchstabe b der Verwaltungsvorschrift des Ministeriums der Justiz vom 4. Juni 2007, Justizblatt 2007, S. 279). Darüber hinaus erfolgten Regelbeurteilungen der Beamten nur bis zur Vollendung ihres 50. Lebensjahres. In der Folge kam es bei Bewerberkonkurrenzen systembedingt immer dann zu unterschiedlich langen Beurteilungszeiträumen, wenn sich Beamte mit einem Lebensalter von deutlich mehr als 50 Jahren nach längerer Zeit erstmals wieder um eine Beförderungsstelle bewarben.

23

Im Beförderungstermin zum 18. Mai 2017 galten nunmehr andere Voraussetzungen für die Vergabe von Beförderungsämtern der Beamten im Personalbereich des Ministeriums der Justiz. Bei diesem Beförderungstermin wurden erstmals sämtliche Beförderungsämter auf der Grundlage der zum 1. Juli 2016 bei allen Beamten – also auch bei den bislang wegen der früheren Altersgrenze des 50. Lebensjahres nicht mehr Beurteilten – erstellten Regelbeurteilungen gefällt (vgl. Nr. 2.1 BeurteilungsVV). Die früher nach Ablauf von zwei Jahren, sich gegebenenfalls über längere Zeiträume erstreckenden Anlassbeurteilungen sind seit dem 1. Juli 2016 nur noch unter bestimmten Bedingungen zulässig (Nr. 3 BeurteilungsVV), die bei den im Wege der Topfwirtschaft mit „fliegenden Stellen“ erfolgenden Beförderungen (vgl. hierzu OVG RP, Urteil vom 3. Februar 2015 – 2 A 10567/14.OVG – , AS 44, 302 [309]) jedoch nicht vorliegen.

24

Dieses neue Beurteilungs- und Beförderungssystem hat zur Folge, dass ein Auseinanderfallen von Beurteilungszeiträumen ab dem nächsten Beförderungstermin nicht mehr eintritt. Das vom Antragsteller gerügte Problem ist somit ein bloßes Übergangsproblem, das seine sachliche Rechtfertigung in dem Bestreben des Antragsgegners findet, im Wege eines „Neuanfangs“ für alle Beamten des Justizdienstes einheitliche und den Vorgaben der höchstrichterlichen Rechtsprechung genügende Beförderungsvoraussetzungen zu schaffen. Dies gilt insbesondere für die seit dem 1. Juli 2016 geltenden einheitlichen Beurteilungsstichtage und die Abschaffung der Höchstaltersgrenze für Regelbeurteilungen. Beide Instrumente können dazu beitragen, bei allen weiteren Beförderungsterminen eine maximale Vergleichbarkeit der dienstlichen Beurteilungen und damit rechtssichere Beförderungen im Personalbereich der Justiz zu gewährleisten. Das einmalige Auseinanderfallen von Beurteilungszeiträumen ist vor diesem Hintergrund als notwendiges Instrument zur Schaffung einheitlicher „Startbedingungen“ für das neue Beurteilungs- und Beförderungssystem gerechtfertigt. Auch deshalb kann der Antragsteller weder aus den Ausführungen des Senats im Beschluss vom 28. November 2013 noch aus den Entscheidungen des Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalen sowie des Thüringischen Oberverwaltungsgerichts etwas zu seinen Gunsten herleiten.

25

2. Des Weiteren rechtfertigen die – mit seiner Beschwerde aufrecht erhaltenen – Rügen des Antragstellers gegen das Ergebnis seiner aktuellen dienstlichen Beurteilung, mit denen er geltend macht, er habe gegenüber der ihm zuerkannten Bewertung in Wirklichkeit bessere Leistungen erbracht, nicht den Erlass der von ihm begehrten einstweiligen Anordnung. Denn es bestehen keine Anhaltspunkte, dass seine Beurteilung in dem zur Überprüfung des Senats gestellten Umfang rechtswidrig und sie deshalb keine taugliche Auswahlgrundlage sein könnte. Dies gilt namentlich unter Zugrundelegung der von ihm mit seiner Beschwerde vorgebrachten Rügen gegen sein Beurteilungsergebnis.

26

Bei dieser Prüfung ist zunächst von Bedeutung, dass die dem Auswahlverfahren – zulässigerweise – zugrunde gelegten dienstlichen Beurteilungen sowohl des Antragstellers als auch der Beigeladenen nicht unmittelbar der Streitgegenstand des vorliegenden beamtenrechtlichen Konkurrenteneilverfahrens sind. Solche Beurteilungen werden in einem Verfahren zur Sicherung eines geltend gemachten Bewerbungsverfahrensanspruches des in einer beamtenrechtlichen Konkurrenz unterlegenen Bewerbers gemäß § 123 Abs. 1 Satz 1 VwGO vielmehr stets nur inzident, das heißt im Zusammenhang mit der Auswahlentscheidung lediglich „nebenbei anfallend“ überprüft (vgl. OVG RP, Beschluss vom 18. Juli 2012 – 2 B 10606/12.OVG –, ESOVGRP und juris; Beschluss vom 13. August 2015 – 2 B 10664/15.OVG – , AS 44, 30 [34]). Dementsprechend muss der Dienstherr in einem Eilverfahren vom Verwaltungsgericht als rechtswidrig angesehene dienstliche Beurteilungen weder unmittelbar aufheben oder abändern. Sie bleiben als solche vielmehr zunächst, so wie sie erstellt worden sind, bestehen und sind aus der Personalakte des Betreffenden auch nicht zu entfernen.

27

Hinzu kommt, dass nach der ständigen höchstrichterlichen Rechtsprechung dienstliche Beurteilungen selbst in einem Hauptsacheverfahren, das auf Aufhebung oder Abänderung der jeweiligen Beurteilung gerichtet ist, wegen des den Beurteilern zukommenden Beurteilungsspielraumes nur einer eingeschränkten gerichtlichen Überprüfung unterliegen. Die gerichtliche Prüfung hat sich dabei darauf zu beschränken, festzustellen, ob der Beurteiler von einem unrichtigen Sachverhalt ausgegangen ist, die anzuwendenden Begriffe oder den rechtlichen Rahmen, in dem er sich bewegen konnte, verkannt, allgemein gültige Wertmaßstäbe nicht beachtet oder sachfremde Erwägungen angestellt hat (vgl. BVerfG, Kammerbeschluss vom 5. September 2007 – 2 BvR 1855/07 –, NVwZ-RR 2008, 433; BVerwG, Urteile vom 26. Juni 1980 – 2 C 8.78 –, BVerwGE 60, 245 [246]; und vom 28. Januar 2016 – 2 A 1.14 –, NVwZ 2016, 1654). Auch deshalb sind in einem beamtenrechtlichen Konkurrenteneilverfahren nicht sämtliche Rügen, die der in einer Beförderungskonkurrenz unterlegene Beamte erhebt, in vollem Umfang nachzuprüfen.

28

Aus diesen Erwägungen folgt, dass es in einem derartigen verwaltungsgerichtlichen Eilverfahren ausschließlich dem Antragsteller obliegt, die von ihm behauptete Fehlerhaftigkeit der für die Auswahlentscheidung maßgeblichen (eigenen oder fremden) dienstlichen Beurteilung im Einzelnen substantiiert zu belegen. Unterlässt er dies oder erweisen sich seine Einwände als nicht tragend, so kann sein Eilantrag, gerichtet auf Verhinderung der Dienstpostenübertragung oder der Aushändigung der Ernennungsurkunde an den Auswahlsieger, keinen Erfolg haben.

29

Das gilt insbesondere, wenn der unterlegene Bewerber um einen Beförderungsdienstposten oder eine höher bewertete Planstelle eine unzureichende oder fehlerhafte Tatsachengrundlage bei seiner eigenen Beurteilung oder derjenigen des Konkurrenten geltend macht. Bei einer solchen Rüge obliegt es ihm, diesen Vortrag mit nachprüfbaren Einwänden zu belegen. Dies folgt unter anderem aus dem prozessualen Gebot der Waffengleichheit in verwaltungsgerichtlichen Streitverfahren. So wie der Dienstherr bei der Anfechtung einer dienstlichen Beurteilung durch den Beurteilten nachvollziehbar darlegen muss, auf welcher Tatsachengrundlage der Beurteiler seine Bewertung der fachlichen Eignung und Leistung des zu beurteilenden Beamten getroffen hat, so hat derjenige Antragsteller, der die Rüge der fehlerhaften oder unvollständigen Tatsachengrundlage erhebt, hinreichende Anknüpfungstatsachen anzugeben, die dem Verwaltungsgericht die Prüfung erlauben, ob und in welchem Umfang die inzident angefochtene dienstliche Beurteilung tatsächlich auf einer tatsächlich oder rechtlich fehlerhaften Grundlage erstellt worden ist.

30

Gleiches gilt, soweit sich der in einem beamtenrechtlichen Auswahlverfahren unterlegene Antragsteller in einem verwaltungsgerichtlichen Eilverfahren auf eine angebliche Unterschiedlichkeit in der Anwendung der Beurteilungsmaßstäbe durch den oder die Beurteiler beruft. Hier hat eine „gestufte“ Überprüfung zu erfolgen.

31

Bei einer solche Rüge ist zunächst von der in den Beurteilungsrichtlinien vorgegebenen Maßstabsbildung auszugehen. Diese ist vom Verwaltungsgericht – wie bei allen Formalfehlern – als offensichtlich vorliegende Fehlerquelle in vollem Umfang zu untersuchen. Ergibt diese Prüfung, dass die Beurteilungsrichtlinien einen mit den gesetzlichen Vorgaben und den Anforderungen der höchstrichterlichen Rechtsprechung zu vereinbarenden Beurteilungsmaßstab vorgeben, so ist in einem zweiten Schritt zu prüfen, ob sich auch die Beurteilungspraxis an diesem Maßstab orientiert. Dies folgt aus dem verwaltungsgerichtlich anerkannten Grundsatz, nach dem Beurteilungsrichtlinien nicht wie Rechtsnormen auszulegen sind, sondern als Willenserklärung der anordnenden Stelle unter Berücksichtigung der tatsächlichen Handhabung dasjenige Verständnis maßgeblich ist, das auch ihrer tatsächlichen Anwendung zugrunde liegt (vgl. BVerwG, Urteile vom 2. Februar 1995 – 2 C 19.94 –, ZBR 1995, 240; vom 2. März 1995 – 2 C 17.94 –, ZBR 1995, 238; und vom 10. April 1997 – 2 C 38.95 –, ZBR 1998, 46; stRspr). Deshalb kann der Dienstherr in seiner Verwaltungspraxis sogar vom eigentlichen Begriffsinhalt der Richtlinien abweichen, sofern diese Praxis einheitlich erfolgt und er zum Ausdruck gebracht hat, dass er die abweichende Handhabung duldet.

32

Für einen derartigen Anwendungsfehler im Beurteilungsmaßstab reicht jedoch die bloße Behauptung des Antragstellers in einem verwaltungsgerichtlichen Eilverfahren, bei seiner Beurteilung läge zu seinen Lasten eine von den Richtlinien abweichende (zu strenge) Beurteilungspraxis vor, nicht aus, die begehrte einstweilige Anordnung zu erlassen. In diesem Fall sind nämlich die Folgen, die einträten, wenn die beantragte Anordnung erginge und sich später die Rechtmäßigkeit der angelegten Beurteilungsmaßstäbe (und damit auch der angegriffenen Beurteilung) herausstellte, denjenigen Folgen gegenüberzustellen, die einträten, wenn die vorläufige Untersagung der Beförderung des Auswahlsiegers abgelehnt würde, sich aber im sich anschließenden Hauptsacheverfahren die Rechtswidrigkeit Beurteilungsmaßstäbe (und damit auch der angegriffenen Beurteilung) herausstellte.

33

Diese Folgenbetrachtung macht eine besondere Plausibilitätsprüfung des Vortrags des um einstweiligen Rechtsschutz nachsuchenden Antragstellers erforderlich. Die bloße – gleichsam „ins Blaue hinein“ aufgestellte – Behauptung, gegenüber den Beurteilungen der Mitbewerber sei vom eigenen Beurteiler ein strengerer und damit abweichender Beurteilungsmaßstab angelegt worden, genügt hierfür nicht. Der in einem beamtenrechtlichen Auswahlverfahren unterlegene Beamte hat vielmehr im Einzelnen und nachprüfbar anzugeben, aus welchen Anknüpfungstatsachen er diese Schlussfolgerung zieht. Ist nach einem substantiierten Vortrag die Unterschiedlichkeit der Anwendung der nach den Beurteilungsrichtlinien einzuhaltenden Beurteilungsmaßstäbe zumindest denkbar, so muss eine Beförderung der auf solcherart (möglicherweise) unterschiedlich angewandten Beurteilungsmaßstäben beurteilten Mitbewerber vorläufig unterbleiben.

34

Ausgehend von diesen Grundsätzen ist der Vortrag des Antragstellers im vorliegenden Verfahren nicht geeignet, die Beförderung der Beigeladenen zu verhindern. Im Einzelnen:

35

Die Eignung aktueller dienstlicher Beurteilungen als Vergleichsgrundlage setzt voraus, dass sie inhaltlich aussagekräftig sind. Hierfür ist erforderlich, dass sie die dienstliche Tätigkeit des Beamten im maßgebenden Beurteilungszeitraum vollständig erfassen, auf zuverlässige Erkenntnisquellen gestützt sind, die im innegehabten Amt erbrachten Leistungen hinreichend differenziert darstellen sowie auf gleichen Bewertungsmaßstäben beruhen. Sind danach mehrere Bewerber als im Wesentlichen gleich geeignet einzustufen, kann der Dienstherr auf einzelne Gesichtspunkte abstellen, wobei er deren besondere Bedeutung begründen muss. (vgl. BVerwG, Urteile vom 19. Dezember 2002 – 2 C 31.01 –, Buchholz 237.9 § 20 SaarLBG Nr. 1; vom 27. Februar 2003 – 2 C 16.02 –, Buchholz 237.6 § 8 NdsLBG Nr. 10; und vom 4. November 2010 – 2 C 16.09 –, BVerwGE 138, 102, Rn. 46; stRspr).

36

Der Antragsteller begründet die inhaltliche Fehlerhaftigkeit seiner dienstlichen Beurteilung nur damit, dass er zum einen besser zu bewertende dienstliche Leistungen erbracht habe und zum anderen sein außerdienstliches Engagement nicht hinreichend gewürdigt worden sei. Beide Rügen stellen jedoch keine der Überprüfungskompetenz des Senats unterliegenden Mängel dar. Sie betreffen vielmehr allein den dem Beurteiler vorbehaltenen Bewertungsspielraum, der von den Verwaltungsgerichten nur eingeschränkt überprüft werden kann. Anhaltspunkte für die Annahme, der Direktor das Amtsgerichts Montabaur habe bei seiner Bewertung der dienstlichen Leistungen des Antragstellers gegen Verfahrensvorschriften verstoßen, sei von einem unrichtigen Sachverhalt ausgegangen, habe die anzuwendenden Begriffe oder den rechtlichen Rahmen, in dem er sich bewegen konnte, verkannt bzw. allgemein gültige Wertmaßstäbe nicht beachtet oder sachfremde Erwägungen angestellt (vgl. zu diesem Prüfungsumfang: BVerwG, Urteil vom 27. April 1980 – 2 C 8.78 –, BVerwGE 60, 245 [246]) bestehen nicht. Dass der Beurteiler seine Bewertung der Leistungen des Antragstellers im Beurteilungszeitraum insgesamt auf eine immerhin schon leicht überdurchschnittliche Leistung beschränkt, begründet keine rechtlich erhebliche Fehlerhaftigkeit der Beurteilung.

37

Gleiches gilt im Hinblick auf die vom Antragsteller ins Feld geführten außerdienstlichen Aktivitäten. Diese sind als nicht vom Dienstherrn zu bewertende Tätigkeiten von vornherein nicht zu berücksichtigen. Denn ihnen fehlt der für eine Berücksichtigung in einer dienstlichen Beurteilung stets erforderliche Dienstbezug.

38

3. Ob über die vorstehend dargelegten Gründe hinaus weitere Zweifel an der Rechtmäßigkeit des neuen Beurteilungssystems im Personalbereich der Justizbeamten bestehen, bedarf vorliegend keiner Entscheidung. Denn der Antragsteller hat keine weiteren Gründe gegen die Rechtmäßigkeit des vom Antragsgegner seit dem 1. Juli 2016 angewendeten Beurteilungssystems vorgetragen. Eine Prüfung von mit einer Beschwerde nicht geltend gemachten Bedenken ist dem Senat indes nach § 146 Abs. 4 Satz 6 VwGO verwehrt. Das Beschwerdegericht ist in seiner Überprüfungskompetenz vielmehr auf die vom Antragsteller vorgetragenen Beschwerdegründe beschränkt. Es ist nämlich allein seine Sache, alle diejenigen Gründe darzutun, die gegen die erstinstanzliche Entscheidung sprechen (vgl. VGH BW, Beschluss vom 19. November 2007 – 13 S 2355/07 –, NVwZ-RR 2008, 581 [582]; W.-R. Schenke, in: Kopp/Schenke, VwGO, 23. Aufl. 2017, § 146 Rn. 43; Sodan/Ziekow, VwGO, 4. Aufl. 2014, § 146 Rn. 115).

39

Der Beschränkung auf die vorgetragenen Gründe steht auch nicht entgegen, dass nach den vorstehenden Ausführungen das Eilverfahren die Funktion des Hauptsacheverfahrens übernimmt. Die Vorgaben des Gesetzgebers sind vielmehr unmissverständlich („Das Oberverwaltungsgericht prüft nur“). Auch eine Umdeutung im Wege einer – vorliegend ohnehin nicht veranlassten – verfassungskonformen Auslegung darf bei einem derart eindeutigen Wortlaut nicht dazu führen, dass das Gegenteil des vom Gesetzgeber erklärten objektiven Sinngehaltes eintritt.

40

Unabhängig hiervon hat selbst der Antragsteller in seiner Beschwerdebegründung vom 18. Mai 2017 – im Gegensatz zum erstinstanzlichen Verfahren – die inhaltliche Rechtmäßigkeit der Beurteilung der Beigeladenen nicht mehr angezweifelt. Entsprechend den vorstehenden Grundsätzen prüft der Senat diese deshalb auch nicht. Eine Rechtswidrigkeit der Beurteilung der Beigeladenen drängt sich auch nicht auf bzw. ist nicht offensichtlich. Die im Vergleich zur Vorbeurteilung tatsächlich festzustellende Leistungssteigerung in der Beurteilung der Beamtin hat der Direktor des Amtsgerichts Mainz bereits gegenüber der Präsidentin des Oberlandesgerichts Koblenz in seiner Stellungnahme vom 17. März 2017 hinreichend plausibilisiert. Dort hat er unter anderem ausgeführt, dass die Beigeladene als Leiterin des größten Grundbuchamtes in Rheinland-Pfalz im Beurteilungszeitraum ihre Leistungen „nochmals gesteigert“ habe.

41

Diese Umschreibung der Leistungssteigerung der Beigeladenen ist entgegen der Auffassung des Antragstellers kein „unbelegter Formularsatz“. Der Beurteiler hat sein Werturteil – im Gegenteil – sogar noch weiter plausibilisiert. Er erläuterte nämlich, dass aufgrund des Einsatzes der Beigeladenen im Grundbuchamt trotz gravierender Personalengpässe keine Rückstände entstanden seien und besonders investitionsträchtige Anträge zu Großprojekten in Mainz äußerst kurzfristig bearbeitet und eingetragen worden seien. Dies sei für den Wirtschaftsstandort Mainz von „herausragender Bedeutung“. Die nach diesen Ausführungen des Beurteilers durch die höhere Dienstvorgesetzte akzeptierte Anhebung der Beurteilungsnote der Beigeladenen ist deshalb auch für den erkennenden Senat im Rahmen der verwaltungsgerichtlichen Überprüfung nachvollziehbar.

42

Die vom Antragsteller noch erstinstanzlich behauptete, für ihn nicht erklärliche „Leistungsexplosion“ der Beilgeladenen liegt damit nicht vor. Davon abgesehen existiert kein Erfahrungssatz des Inhalts, ein einmal mit einer bestimmten Beurteilungsnote beurteilter Beamter müsse diese in seiner weiteren dienstlichen Laufbahn beibehalten. Begründet der Beurteiler eines Beamten eine höhere Gesamtnote mit einer im Beurteilungszeitraum gesteigerten Leistung, so ist die bessere Bewertung vielmehr bereits aus sich heraus nachvollziehbar. Gleiches gilt beispielsweise, wenn der Beurteiler wechselt. Denn wie den Vorbeurteilern steht auch einem neuen Beurteiler ein eigenständiger Beurteilungsspielraum zu. Daher können gleiche Leistungen von unterschiedlichen Beurteilern selbstverständlich unterschiedlich bewertet werden (so ausdrücklich BVerwG, Beschluss vom 16. April 2013 – 2 B 134.11 –, juris).

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II. Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 2, § 162 Abs. 3 VwGO. Eine Verpflichtung zur Kostentragung in Bezug auf die außergerichtlichen Kosten der Beigeladenen entspricht nicht der Billigkeit, da diese im Beschwerdeverfahren keine Anträge gestellt und sich somit selbst im Fall des Unterliegens keinem Kostenrisiko ausgesetzt hat (vgl. § 154 Abs. 3 VwGO).

44

III. Die Festsetzung des Streitwerts folgt aus § 47 Abs. 1 Satz 1, § 53 Abs. 2 Nr. 1 i.V.m. § 52 Abs. 1 und 6 Gerichtskostengesetz – GKG –. Maßgebend ist nach dieser kostenrechtlichen Regelung die Summe der für ein Kalenderjahr zu zahlenden Bezüge der Besoldungsgruppe A 13 LBesO mit Ausnahme nicht ruhegehaltsfähiger Zulagen (§ 52 Abs. 6 Satz 1 Nr. 1 GKG). Da das Verfahren die Verleihung eines anderen Amts mit einem höheren Endgrundgehalt betrifft, ist der Streitwert gemäß § 52 Abs. 6 Satz 4 GKG auf die Hälfte des sich aus Satz 1 der Vorschrift ergebenden Betrags zu reduzieren (vgl. BVerwG, Beschluss vom 22. November 2012 – 2 VR 5.12 –; vom 20. Juni 2013 – 2 VR 1.13 –, BVerwGE 147, 20 und vom 19. Dezember 2014 – 2 VR 1.14 –, IÖD 2015, 38 und juris; OVG RP, Beschluss vom 23. Dezember 2013 – 2 B 11209/13.OVG –, AS 42, 108 [115 ff.]; OVG Nds., Beschluss vom 25. August 2014 – 5 ME 116/14 –, NVwZ-RR 2014, 941).